Wieso Meditation?

Der Mensch kann als eine Mischung aus Geist und Körper gesehen werden. Womit sollte er sich identifizieren? Hat er überhaupt die Wahl? Es sieht nicht so aus. Anscheinend geschieht alles automatisch. Mit dem Ergebnis, dass normalerweise die Identifikation eher mit dem Körper als mit dem geistigen Teil unseres Wesens gesucht wird.

Aus Sicht fernöstlicher Weisheitslehren ist dies ein grundsätzlicher Fehler und gilt zugleich als die eigentliche Ursache allen menschlichen Leidens. Meditation mit dem Ziel der sogenannten Erleuchtung macht sich zur Aufgabe, diesen Fehler zu korrigieren. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet es, die Identifikation mit unserem Bewusstsein, dem Geist herzustellen.

Woran liegt es, das wir uns mit dem Körper identifizieren? Sicherlich gibt es viele Gründe und vielleicht war es auch irgendwann einmal anders. Es liegt aber auf der Hand, dass es dem heutigen Menschen, der dem Gegenständlichen so viel stärker verhaftet ist als Generationen zuvor, leichter fällt, sich mit dem zu identifizieren, was er sehen, hören und fühlen kann, als mit einem nebelhaften, schwer zu fassenden Geist. Dabei dürften sich die wenigsten darüber im Klaren sein, dass die geistige Identifikation mit dem eigenen Körper zu einem im Prinzip unlösbaren Problem führt. Schließlich handelt es sich dabei um einen geistigen Prozess. Der Geist sucht die Identifikation mit dem Körper. Nun gibt es aber in der Welt nichts, was unterschiedlicher sein könnte als das Geistige und das Körperliche. Dessen ungeachtet dürften sich die meisten für ihren Körper halten.

Wie kann das gehen? Nun, tatsächlich identifiziert sich niemand mit seinem realen Körper. Das wäre gar nicht möglich, der reale Körper ist das Ding an sich, das große Unbekannte, von dem wir nichts wissen können. Die eigentliche Identifikation erfolgt mit dem Körper als ein vom Gehirn erschaffenes Produkt (Gerhard Roth: Das Gehirn und seine Wirklichkeit). Das bedeutet, dass wir uns letztlich mit einer vom Gehirn erschaffenen Vorstellung identifizieren.

Dagegen sollte es ein Leichtes sein, die Identifikation mit dem geistigen Teil unseres Wesens herzustellen. Genau darum geht es im Buch alltagsmeditationen. Meditation verschiebt den Schwerpunkt vom körperlichen zum geistigen Wesen des Menschen.

D. Bartel - Berlin, November 2019


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