Was ist Religion?

Diese Frage hatte wohl niemand besser zu beantworten gewusst als Peter Sloterdijk:  

 „Die Religion ist primär nicht das Opium des Volkes, sondern die Erinnerung daran, dass es mehr Leben in uns gibt, als dieses Leben lebt. Die Glaubensfunktion ist eine Leistung der devitalisierten Körper, die nicht ganz der Erinnerung beraubt werden können, dass in ihnen viel tiefere Quellen der Lebendigkeit, der Kraft, der Lust und des Rätsels und Rausches, dazusein, verborgen liegen müssen, als der Alltag erkennen lässt.“  (Kritik der zynischen Vernunft)  

Mit den Religionen verbindet sich eine verborgene Sehnsucht und eine unterschwellige Ahnung, dass wir mit unseren Alltagsroutinen in einer komplizierter werdenden Welt hinter den von der Natur versprochenen Möglichkeiten eines pulsierenden, sich verausgabenden Lebens weit zurückbleiben. Schaut man auf die derzeitigen Diskurse, so erscheint es naiv, auf Signale von außen zu warten. Bleibt die Selbstreflexion, um der Entfremdung zu entkommen und sich selbst neu zu finden

Detlef B. Bartel   


 zurück