alltagsmeditationen

Die Kunst des Nicht-Wissens

Finden ohne Suchen - Die 5-i-Regel
„Wanting enlightenment is a big mistake“ hatte schon Zen-Meister Seung Sahn gewarnt. Der Wunsch, das eigene Ich als geistiges Konstrukt zu durchschauen, bestätigt das Ich und wirkt so dem Erkennen seiner wahren Natur entgegen. Wie können wir diesem Dilemma entgehen?

Zen-Meister Wu Li gab folgenden Rat:

„Vor der Erleuchtung, Wasser tragen und Holz hacken.
Nach der Erleuchtung, Wasser tragen und Holz hacken.“

Wu li wollte mit diesen Worten auf eine von Konzepten befreite Existenz hinweisen. Seung Sahn sprach von einer Realität „vor dem Denken“. Sie dürfte in etwa dem im Buddhismus vielfach beschworenen Anfängergeist entsprechen. Der Anfängergeist ist die Basis, auf der das Erwachen möglich wird. 

Wie können wir zum Anfängergeist zurückkommen, wenn unsere Suche selbst das Problem ist, das es zu lösen gilt. Wie Finden ohne Suchen? Als praktische Hilfestellung käme hier folgende Regel ins Spiel:

5-i-Regel:
1. Nicht Identifizieren 
2. Nicht Individualisieren
3. Nicht Idealisieren
4. Nicht Ignorieren  
5. Nicht isolieren

Wir werden aufgefordert, in möglichst vielen Alltagssituationen, die ohne Ich-Funktion auskommen, auf die Kontrolle unserer Umgebung zu verzichten. Das betrifft alle ritualisierten Handlungen, wobei sich insbesondere Spaziergänge anbieten.

Früher oder später wird dann erkannt:
Da ist weder jemand, der identifiziert, noch ein anderer, der identifiziert wird.
Da ist auch niemand, der individualisiert, und niemand, der individualisiert wird.
Das gilt selbstverständlich ebenso fürs Idealisieren und Ignorieren.

Die vierte Regel „nicht Ignorieren“ sei hervorgehoben. Der Kontrollverzicht darf nicht mit einer Ablehnung des Seins verwechselt werden. Die Basis unserer Wirklichkeit ist totale Akzeptanz und nicht Negation.