Mit Logik zur Erleuchtung.

Es ist ein weiter Weg bis zum Erwachen. Für schlaue Menschen, denen die Fähigkeit logischen Denkens gegeben ist, gibt es allerdings eine Abkürzung: die Logik. 

Das Prinzip ist einfach erklärt: Von der Mengenlehre her wissen wir, dass eine Menge nicht sich selbst enthalten darf. So könnte man in einen Sack alles Mögliche hineinpacken, nur nicht den Sack selbst. Ein Sack, der gleichzeitig seine Teilmenge ist, macht keinen Sinn. (Ein Paradoxie, die in der Mathematik als Russelsche Antinomie bekannt ist). Klar sollte ebenfalls sein, dass eine Teilmenge immer kleiner ist, als die Menge, der sie entstammt. Somit kann die Teilmenge letztere nicht enthalten.

Als erstes Beispiel sei hier der berühmte Satz Ludwig Wittgensteins genannt:

„Die Welt ist die Gesamtheit aller Tatsachen, nicht der Dinge.“

Demnach verbieten sich laut Wittgenstein Aussagen über die Welt als Ganzes. Denn wenn die Welt eine Tatsache wäre, dann müsste sie sich selbst als Teilmenge enthalten. Und genau das widerspricht der Logik der Mengenlehre. 

Als Nächstes die Paradoxie unseres Weltbildes: Es gehört heute zum wissenschaftlichen Standard, dass die Welt, die uns durch die Sinnesorgane gegeben ist - also unsere Sinneswelt - als Abbildung einer von uns unabhängigen äußeren realen Welt gilt. Demnach stellt unsere Wirklichkeit eine Teilmenge der realen Welt dar. Daraus folgt, dass diese reale Welt in unserer Sinneswelt nicht vorhanden ist. Weil, wie oben bereits dargelegt, eine Teilmenge nicht die Menge enthalten darf, der sie entstammt. 

Und weil die Sinneswelt unsere einzige erlebbare Realität darstellt, erklärt es auch die Worte des indischen Weisen Shankara im Klappentext des Buches: 

Brahman ist wirklich.  
Das Universum ist unwirklich.
Das Universum ist Brahman. 

Mit anderen Worten: 
Die reale Welt ist wirklich. 
Unsere Sinneswelt ist unwirklich. 
Unsere Sinneswelt ist die reale Welt.

 

 Zu guter Letzt nochmals Wittgenstein: 

„Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern ist eine Grenze der Welt.“ 

Dieser Satz weist darauf hin, dass wir als  bewusste Wesen und Schöpfer unserer Welt  selbst nicht in ihr vorkommen. Hier kommt erneut die Regel zum Tragen, dass eine Teilmenge niemals die Menge enthält, der sie entstammt. 

Subjekt bezeichnet ein mit Bewusstsein ausgestattetes Wesen. Der Satz wird etwas verständlicher, wenn wir Subjekt durch Bewusstsein ersetzen:

Das Bewusstsein gehört nicht zur Welt, sondern ist eine Grenze der Welt.

Das Bewusstsein erscheint nicht in unserer Welt, weil es sie konstituiert. Und in der Tat hat noch nie ein Wissenschaftler Bewusstsein im Gehirn entdeckt. 

Auf Gott bezogen drückte sich Wittgenstein folgendermaßen aus:

Wie die Welt ist, ist für das Höhere vollkommen gleichgültig. Gott offenbart sich nicht in der Welt.“ 

Wem sich dieser Satz erhellt hat, darf sich freuen, die Ausfahrt seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit schon gefunden zu haben. 

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Berlin, Januar 2020 - D. Bartel

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