Einheit und Vielheit

In welcher Beziehung steht die Einheit zur Vielheit? Die Weisen sagen uns, es gäbe ursprünglich nur Einheit. Die Vielheit sei dem dualistischen Denken geschuldet.


Dem ist nicht zu widersprechen. Wir neigen dazu, zwischen dem Gedanken und dem, der denkt, zu unterscheiden. Aus eins mach zwei. In Wirklichkeit sind beide nicht voneinander zu trennen. Es gibt keinen Gedanken ohne Denkenden. Beide existieren ausschließlich als Einheit. 


Dasselbe gilt für

Erinnerungen: keine Erinnerung ohne jemanden, der sich erinnert.

Wünsche: kein Wunsch ohne einen Wünschenden.

Gefühle: keine Gefühle ohne den Fühlenden.

Vorstellungen: keine Vorstellungen ohne den, der sich etwas vorstellt.

Das sollte leicht nachvollziehbar sein. Schließlich handelt es sich um rein geistiges Erleben. Etwas schwieriger verhält es sich mit Wahrnehmungen von Objekten. Doch auch in diesem Fall gilt:  

Das Sehen von Objekten: kein Gesehenes ohne den Sehenden.

Das Gehörte: kein Gehörtes ohne den Hörenden.

Das Berührte: kein Berührtes ohne Berührenden. 

Nachts im Tiefschlaf wissen wir gar nichts, weder von uns selbst noch von der Welt. Wenn wir dann am Morgen die Augen öffnen, meinen wir, einer von uns unabhängigen Welt zu begegnen. Dabei vergessen wir, dass diese Welt nur gleichzeitig mit uns als Beobachter in Erscheinung treten kann. Alles Beobachtete ist nur in Einheit mit einem Beobachter zu haben. 

Wer das nicht glaubt, braucht nur kurz die Augen zu schließen, um sie anschließend wieder zu öffnen: Alles Gesehene braucht den Sehenden. Der Rest ist Denken.


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