Frage von Christoph Hinte: Und worin liegt die Bedeutung dieser Erkenntnis für mein  konkretes Leben , Denken, Wissen?

Antwort: Gute Frage! Ist aber nicht mit ein oder zwei Sätzen zu beantworten:

Die Bedeutung liegt in einer möglichen Befreiung von eingefahrenen Programmierungen, die auf erkenntnistheoretischen Selbstwahrnehmungen des Menschen beruhen. Dadurch reduzieren wir uns auf das, was wir von früher Kindheit an gelernt haben. Gelernt haben wir das, was wir denken und sprachlich ausdrücken können. Nun sagt aber Wittgenstein:

 „Der Satz kann die gesamte Wirklichkeit darstellen, aber er kann nicht das darstellen, was er mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie darstellen zu können – die logische Form.“ 

Mit Wirklichkeit meint er: „Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit.“

Darstellen und ausdrücken können wir nur das, was in der Welt ist, das sind die bestehenden Sachverhalte. Wirklichkeit ist aber weit mehr, eben auch das, was nicht in der Welt ist, die nicht bestehenden Sachverhalte. Zu ihnen zählen zum Beispiel: das Subjekt, Geist und Bewusstsein, Leben, Gut und Böse, die Liebe, Kunst und Ästhetik, aber auch die Naturgesetze, Energie, Schwerkraft und vieles mehr. All das können wir nur indirekt erleben. Kein Wissenschaftler hat jemals Bewusstsein, Leben oder Energie „gesehen“, weil sie eben nicht in der Welt sind. Aber unsere Welt weist auf sie hin. Und so können wir auch nichts über sie wissen oder sagen sondern nur auf sie zeigen. 

Nochmals Wittgenstein:

Gut und Böse tritt erst durch das Subjekt (in die Welt) ein. Das Subjekt gehört nicht zur Welt, sondern ist eine Grenze der Welt.“ 

Wir sind also nicht nur als Ich in der Welt, sondern auch das Subjekt, das nicht zur Welt gehört, und damit untrennbar von der ganzen Wirklichkeit. Mit anderen Worten, wir sind weit mehr als das kleine Ich, für das wir uns halten. Und das sollte doch etwas bedeuten.

 

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